Hyperhidrose: krankhaftes Schwitzen am ganzen Körper
zurück

Krankhaftes Schwitzen & Hyperhidrose

Krankhaftes Schwitzen & Hyperhidrose

Hyperhidrose – wenn Schwitzen zur Krankheit wird

Schwitzen ist normalerweise eine lebenswichtige Körperfunktion, um den Körper zu kühlen und so vor Überhitzung zu schützen. Hierbei können wir unsere Haut mit einer Klimaanlage vergleichen, bei der Körperschweiß die Kühlflüssigkeit ist.

Wer also körperlich hart arbeitet oder großer Hitze ausgesetzt ist, schwitzt auch viel, ohne dass eine Hyperhidrose zugrunde liegt. Hier geht es lediglich um die Kühlung des Körpers.

Hyperhidrose (griech.: hyper = über, zu viel / hidros = Schweiß) bedeutet daher nicht einfach viel zu schwitzen, sondern deutet immer auf eine Fehlfunktion der Schweißdrüsen hin. Wird auch dann außergewöhnlich viel Schweiß gebildet, wenn eine Kühlung des Körpers (als Schutz von Überhitzung) überhaupt nicht erforderlich ist, liegt der Verdacht auf eine Hyperhidrose nahe. Dies könnte der Fall sein, wenn Sie zum Beispiel bei normaler Raumtemperatur in luftiger Kleidung ohne körperliche Anstrengung dennoch anfangen zu schwitzen – und zwar so stark, dass sich Schweißflecken unter Ihren Achseln bilden, Ihnen die Schweißflecken von der Stirn rollen oder Sie schweißnasse Hände haben.

Welche Körperstellen sind bei der Hyperhidrose oft betroffen?

Schwitzen unter den Achseln - everdry

Schwitzen im Gesicht - everdry

Schwitzen an den Haenden - everdry

Schwitzen an den Fuessen - everdry

Achseln, Stirn, Hände und Füße schwitzen am stärksten

Besonders viele Schweißdrüsen befinden sich auf der Stirn, in den Achselhöhlen, an den Handflächen und den Fußsohlen. Insgesamt hat ein Mensch rund drei Millionen Schweißdrüsen (Schweißporen), welche sich fast über den ganzen Körper verteilen.

Der Vorgang „Schwitzen“ wird von Nervenzellen eingeleitet. Diese Nerven können von uns nicht bewusst gesteuert werden, sondern werden durch den Botenstoff Acetylcholin gesteuert.

Eigentlich schade! Denn könnten wir den Nervenzellen befehlen, weniger zu schwitzen, müssten nicht ca. 2,5 Millionen Menschen in Deutschland auch an ganz normalen Tagen ohne Besonderheiten übermäßig schwitzen.

Bei krankhaften Schwitzen produziert der Körper unabhängig von Wärme oder Kälte unkontrollierbar viel Schweiß. Überwiegend tritt dieses Problem unter den Achseln auf – aber auch Stirn, Hände und Füße bleiben bei dem Einen oder Anderen nicht verschont. 

Menschen, die an Hyperhidrose leiden, haben also nicht mehr Schweißdrüsen als andere Menschen mit normalem Schwitzverhalten, sondern es werden lediglich die Schweißdrüsen vermehrt angesteuert und zur Schweißproduktion aktiviert.

Dermatologen unterscheiden zwei Arten der Hyperhidrose

Primäre Hyperhidrosis

Ein krankhaftes Schwitzen, welches nicht durch andere externe Faktoren ausgelöst wird. Hierbei müssen Ärzte direkt die fehlfunktionierenden Schweißdrüsen behandeln.

Sekundäre Hyperhidrosis

Ein krankhaftes Schwitzen, welches durch andere externe Faktoren wie Krankheiten oder Medikamente ausgelöst wird. Hierbei steht bei Ärzten die Behebung der verursachenden Faktoren, wie die Behandlung der Krankheit oder das Wechseln/Umstellen von Medikamenten im Vordergrund.

Grad I - leichte Form

  • Ihre Haut ist vermehrt feucht an Händen, Füßen und unter den Achseln.
  • Die Schweißflecken unter Ihren Achseln erreichen 5-10 cm Durchmesser.

Grad II - mäßig starke Form

  • Auf Ihrer feuchten Haut bilden sich Schweißperlen. 
  • Die Schwitzflecken unter den Achseln erreichen 10-20 cm Durchmesser.
  • Füße und Hände schwitzen lediglich an den Sohlen und Innenflächen.

Grad III - starke Form

  • Der Schweiß tropft von Ihrer Haut.
  • Die Schwitzflecken unter den Achseln haben einen Durchmesser von über 20 cm.
  • Sie schwitzen auch auf dem Hand- und Fußrücken so wie am seitlichen Rand von Hand und Fuß.

Objektive Tests helfen, den Schweregrad genau zu bestimmen

Es gibt 2 relevante Tests zur Feststellung einer Hyperhidrose:

Qualitativer Test: Feststellung, OB eine Person verstärkt Schweiß absondert

Mithilfe des Jodstärketests grenzt der Arzt das Hautareal ein, das vermehrt Schweiß absondert. Er bestreicht die trockene Haut mit einer Jodlösung und siebt Stärke darüber. Stärke, Jod und Schweiß reagieren chemisch miteinander und färben die schwitzende Körperstelle schwarzbläulich. Der Test sagt aber nichts darüber aus, wie viel Schweiß die Drüsen abgeben.

Quantitativer Test: Feststellung, WIE VIEL Schweiß eine Person absondert

Mit Hilfe der Gravimetrie-Methode bestimmt der Dermatologe die tatsächlich abgesonderte Schweißmenge in einem bestimmten Hautareal. Er benötigt dazu Filterpapier, Stoppuhr und eine Waage. Das Filterpapier saugt die Feuchtigkeit auf, die Sie innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausgeschwitzt haben. Danach wird das Filterpapier gewogen. Sollten Sie durchschnittlich pro Achsel mehr als 100 mg Schweiß in 5 Minuten abgeben, leiden Sie wahrscheinlich an einer Hyperhidrosis.

Hyperhidrose – schwitze ich noch normal? Symptome erkennen

Ob Sie unter Hyperhidrose (krankhaftem Schwitzen) leiden, für das es keine erkennbare Ursache gibt, lässt sich leicht feststellen. Stellen Sie sich hierbei folgende Fragen:

  • Haben meine Symptome bereits mit der Pubertät begonnen und ziehen sich bis heute durch?
  • Schwitze ich fast bei jeder Gelegenheit? Egal ob es warm oder kalt ist ohne dass ich mich sportlich anstrengen muss?
  • Trifft mich mein Schweißausbruch meist völlig unerwartet?
  • Bin ich mindestens 1x wöchentlich so nass geschwitzt, dass ich meine Kleidung wechseln muss? Sportliche Aktivitäten ausgeschlossen.
  • Schwitze ich immer an den gleichen Körperstellen? Beidseitig relativ gleich stark?
  • Liegt „Hyperhidrose“ bei uns in der Familie? Leiden also noch andere Familienmitglieder darunter?
  • Ist diese Form von Schwitzen eine Belastung für mich und schränkt mein Leben stark ein?

Wenn Sie alle oder die meisten der Fragen mit einem klaren JA beantworten können, sollten Sie unbedingt einen Termin bei Ihrem Arzt machen. Er wird Ihnen sicherlich helfen können. Ihre Symptome werden dann genauer untersucht und in ihren Schweregrad eingeteilt.

Ursachenforschung: Handelt es sich wirklich um eine primäre Hyperhidrose?

Krankheit als Übeltäter

Wenn Sie übermäßig stark schwitzen, dann sollten Sie vorab von einem Arzt abklären lassen, ob eine Krankheit dahinter steckt. Das kann eine Infektion sein, erhöhter Blutzucker, eine Schilddrüsenkrankheit oder eine neurologische Krankheit.

In diesem Fall handelt es sich um eine sekundäre Hyperhidrose.

Anstrengung und Hitze als Schweißtreiber

30° Grad im Schatten, die Sonne brennt. Jetzt erwartet niemand, dass man nicht ins Schwitzen kommt. Während wir „Nordlichter“ auf Hitze mit viel Schweiß reagieren, schwitzen Menschen aus südlichen Regionen meist weniger. Ihr Körper hat sich „akklimatisiert“ und reagiert auf für uns anstrengende Temperaturen eher gelassen. Ähnlich geht es auch gut trainierten Sportlern. Während Untrainierte schon beim Treppensteigen aus der Puste kommen und Schweiß auf der Stirn haben, steckt ein Sportler diese Anstrengung mit Lässigkeit und ohne eine einzige Schweißperle weg. Erst beim ausgiebigen Training wird ein Spitzensportler schneller schwitzen, als ein untrainierter. Sein Körper hat gelernt, ihn vorzeitig vor Überhitzung zu schützen.

In diesem Fall handelt es sich NICHT um eine primäre Hyperhidrose.

Emotionales Schwitzen: Achtung, Notsituation!

In Prüfungssituationen oder vor lauter Aufregung hatte wahrscheinlich jeder schon einmal schweißnasse Hände. Dieses emotionale Schwitzen tritt in den unterschiedlichsten Situationen auf: wenn wir ängstlich oder nervös sind, wenn wir Schmerzen haben oder wütend sind. Mit emotionalem Schwitzen reagiert der Körper auf eine Stress- oder Notsituation. In der Steinzeit war das für einen Menschen noch überlebenswichtig, denn er musste sich entscheiden, ob er mutig kämpft oder es doch schlauer ist, die Flucht zu ergreifen. Das müssen wir heute nicht mehr, der urzeitliche „Kampf-oder-Flucht-Reflex“ mit schnellem Herzschlag, erhöhtem Blutdruck, angespannten Muskeln und höherer Körpertemperatur ist uns jedoch erhalten geblieben.

Das emotionale Schwitzen unterscheidet sich wesentlich vom Schwitzen durch Hitze oder Sport. Während die ekkrinen Schweißdrüsen für das Temperatur regulierende Schwitzen verantwortlich sind, laufen bei Stresssituationen die apokrinen Schweißdrüsen (auch Duftdrüsen genannt) auf Hochtouren. Sie werden durch die Adrenalinausschüttung angeregt, den sogenannten Angstschweiß zu bilden. Doch dieses Schwitzen ist anders und verunsichert uns. Achseln, Hände und Fußsohlen werden nass, der Schweiß ist fettiger und riecht streng, die Stirn glänzt, die Haare werden feucht, die Frisur war einmal. Bei so vielen negativen Eindrücken kommt eine Spirale in Gang, die das Schwitzen verstärkt. Man schämt sich, wird unsicher und noch nervöser, regt sich innerlich auf und schwitzt dadurch noch mehr.

In diesem Fall handelt es sich NICHT um eine primäre Hyperhidrose.

Wenn die Hormone tanzen, spielt die Schweißproduktion verrückt

Es gibt Lebensphasen, in denen scheint vieles nicht mehr so zu sein, wie es einmal war. In der Pubertät, während der Schwangerschaft, in der Stillzeit und der Menopause können nicht nur die Gefühle kräftig durcheinander gewirbelt werden, sondern auch das Schwitzverhalten. Hormonumstellungen sind dafür verantwortlich, dass man nun schneller ins Schwitzen gerät und der Schweiß anders riecht als sonst. Meist legt sich das ungewohnte Schwitzverhalten wieder, sobald sich die Hormonsituation normalisiert hat.

In diesem Fall handelt es sich NICHT um eine primäre Hyperhidrose.

Übergewicht und ein ungesunder Lebensstil fördern das Schwitzen

Alles, was das vegetative Nervensystem, den Stoffwechsel und den Hormonhaushalt negativ beeinflusst, bringt uns schneller ins Schwitzen. Dazu zählt auch das Übergewicht. Durch die Gewichtszunahme wird ein Mensch nicht nur schwerer und behäbiger, er schwitzt selbst bei geringen körperlichen Anstrengungen und bei wärmeren Temperaturen schneller, als ein Normalgewichtiger. Um das hohe Körpergewicht zu bewegen, braucht der Körper mehr Energie, der Kreislauf ist geschwächt, das Schwitzen wird gefördert.

Alkoholkonsum steigert die Schweißabsonderung, ein Mythos hingegen ist, dass man Alkohol ausschwitzen kann. Neben Alkohol fördert auch Nikotin und Kaffee die Schweißbildung, da die Blutgefäße und die Schweißdrüsen negativ beeinflusst werden.

Das Sprichwort „Wer rastet, der rostet“ mag auf die gesunde Bewegung zutreffen, aber definitiv nicht auf Stress. Zwischen zwei Terminen schnell noch etwas erledigen, im Job permanent präsent sein, danach die Kinder aus der Schule abholen, abends nicht abschalten können – wer ständig auf Hochtouren läuft, dem läuft irgendwann auch der Schweiß. Unvermittelte Schweißausbrüche während des Tages und auch nachts können die Folge von übermäßigen psychischen Belastungen, Überforderung und einer unausgewogenen Work-Life-Balance sein.

In diesem Fall handelt es sich NICHT um eine primäre Hyperhidrose.

Scharfes Essen bringt jeden ins Schwitzen

Das kennen wir alle: Scharfes Essen feuert unseren Körper geradezu an mehr Schweiß zu produzieren. Während es auf der Zunge brennt, bilden sich die ersten Schweißperlen auf der Stirn und die werden manchmal sogar zu kleinen Rinnsalen. Scharfe Speisen werden von den Rezeptoren auf der Zunge als heiß empfunden, deshalb fühlen wir auch ein Brennen auf der Zunge. Selbst schwere Mahlzeiten und Alkohol können uns ins Schwitzen bringen. Der Körper will die Erhitzung ausgleichen, zugeführte Energie verbrennen, der Stoffwechsel wird angeregt und damit auch die Wärmeproduktion. Daraufhin folgt eine klare Ansage an die Schweißdrüsen: Abkühlung, bitte!

In diesem Fall handelt es sich NICHT um eine primäre Hyperhidrose.

In den meisten Fällen reguliert sich das übermäßige Schwitzen wieder auf ein Normalmaß, sobald die Ursachen abgestellt wurden.

 

Viel Trinken bei starkem Schwitzen - everdry

Ob starkes Schwitzen durch Hitze, Sport, Krankheit oder andere Faktoren verursacht wird, in allen Situationen müssen wir nachtanken: sowohl die verloren gegangene Flüssigkeit als auch die „ausgeschwitzten“ Mineralien und Salze müssen dem Körper wieder in ausreichenden Mengen zugeführt werden.

Es ist ein falscher Mythos, dass durch weniger Trinken auch weniger geschwitzt wird.

Außerdem kann es durch den Flüssigkeitsentzug zu lebensbedrohlichen Situationen kommen!

Als Getränke eignen sich besonders gut stilles Mineralwasser, eine erfrischende Apfelschorle oder mit Wasser verdünnter, gesalzener Joghurt (z.B. Ayran). Die Getränke sollten nicht eiskalt sein, denn auch das bringt uns wieder ins Schwitzen. Der Körper versucht die kalte Flüssigkeit auf Temperatur zu bringen, das benötigt Energie und bringt den Schweiß in Wallung.