Hyperhidrose Experteninterview - Dermatologin Dr. Kalman
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Experteninterview mit Fr. Dr. med. Eva Kalman

Experteninterview mit Fr. Dr. med. Eva Kalman

Fragen an Frau Dr. Eva Kalman:

Was ist eine Hyperhidrose und welche Ursachen kann Hyperhidrose haben?

Bei der Hyperhidrose liegt die Schweißabgabe über dem normalen Niveau. Eine „normale“ Hyperhidrose kommt während der Akklimatisierung in tropischem Milieu und während der Hormonumstellung vor; sie dient der Temperaturregulierung bei größerer Muskelarbeit, bei Übergewicht oder bei höheren Außentemperaturen.

  • Eine generalisierte Hyperhidrose ist häufig lediglich der Ausdruck der thermoregulatorischen Funktion der Schweißdrüsen, etwa bei Anstrengung, emotionaler Erregung oder fieberhaften Krankheiten. Sie tritt ferner bei niedrigem Blutdruck, Diabetes, verschiedenen Hormonstörungen, Erkrankungen des Nervensystems und bei Einnahme verschiedener Medikamente auf.
  • Nächtliches Schwitzen kann ein Zeichen von Systemerkrankungen wie chronischen Infektionen oder Krebserkrankungen sein. Die häufigste Ursache des nächtlichen Schwitzens ist der Alkoholismus.
  • Die lokalisierte Hyperhidrose betrifft in erster Linie die Achselhöhlen sowie Handflächen und Fußsohlen.

Welche Testmethoden stehen in der Diagnostik zur Verfügung?

Schweißdrüsenfunktionsstörungen lassen sich in der Praxis recht einfach mit Hilfe der Jod-Stärke-Reaktion nachweisen. Die Gravimetrie wird sehr selten praktiziert.

Wie häufig kommen Patienten mit diesem Problem zu Ihnen in die Praxis?

Krankhaftes Schwitzen schränkt die Lebensqualität der betroffenen Patienten stark ein. Es wird angenommen, dass ca. 3% der Bevölkerung betroffen sind, wobei von einer weit höheren Dunkelziffer auszugehen ist. Dabei stören nicht nur die sichtbaren Schweißflecken, sondern auch ein unangenehmes Hautgefühl sowie die Geruchsbelästigung.

Unabhängig vom sichtbaren Schwitzen kann durch Bakterien oder Pilzbesiedlung ein unangenehmer Geruch entstehen und als störend empfunden werden.

Können Sie die Patienten, die an Hyperhidrose leiden, in Altersgruppen oder Lebensphasen, wie z.B. Pubertät, Wechseljahre, einteilen?

Die Hyperhidrose kann bereits im Kindesalter auftreten, entwickelt sich besonders häufig in der Pubertät und verliert sich im höheren Erwachsenenalter.

Welche chirurgischen Therapien werden bei Patienten angewendet, die an Hyperhidrose leiden?

Die fokale Hyperhidrose betrifft in erster Linie die Achselhöhle sowie Handflächen und Fußsohlen. Erst bei ungenügender Wirksamkeit oder Verträglichkeit vorhergegangener Therapien sollten weitere Maßnahmen wie intracutane Injektionen von Botulinum Toxin A oder chirurgische Interventionen ergriffen werden, z.B. Absaugung oder operativer Entfernung des axillären Schweißdrüsenfeldes.

Welche zusätzlichen Empfehlungen geben Sie Ihren Patienten für das tägliche Leben mit auf den Weg?

  • Häufiges Waschen und Wäschewechsel
  • Tragen von luftiger Kleidung, möglichst Baumwolle und Wolle
  • Bei Hyperhidrose der Füße: Schuhe aus Leder; keine Gummi-, Kunststoff- oder Holzsohlen
  • Absorbieren der Feuchtigkeit durch Puder
  • Der säuerliche Geruch kann durch Duftstoffe gemindert werden